Samstag, 1. Mai 2010

Finito l`amor

Vor einer Stunde bin ich gefahren, ohne ein Wort zu verlieren. Hab ruhig meine Sachen gepackt, ins Auto gebracht und hab innerlich wie versteinert den Weg bis zu meiner Wohnung zurückgelegt. Mein Gehen hat er bis jetzt noch nicht mal bemerkt! Vermutlich denkt er, ich bin im Obergeschoss, mich ausruhen, Baden, Lesen, was weiß ich. Er sitzt im Wohnzimmer und schaut mit sich und seiner Welt zufrieden die aktuellen Sportereignisse.

Ich kann noch nicht mal weinen, selbst wenn mir genau danach zumute ist. Mir ist nur furchtbar kalt, ich versuche mich abzulenken, wünschte ich hätte einen Ausweg, könnte eine rauchen, die Vase hinten links an die Wand werfen.....

Das Schlimme, er hatte mich wieder am Haken, ich habe ihm langsam wieder vertraut. Seit meinem Auszug im Dezember war er mir auf den Fersen, wollte noch ein Chance, hatte eingesehen wieviel er mir angetan hatte, zumindest hat er das behauptet. Zuerst war ich so misstrauisch, habe hinter jedem Busch einen Indianer gesehen, immer auf der Hut, denn mir sollte nicht nochmal dasselbe wie im vergangenen Jahr passieren. Aber so peu a peu habe ich ihm wieder geglaubt, ist in mir die Hoffnung gekeimt, dass wir es vielleicht doch schaffen könnten.

Aber seit ungefähr 4 Wochen fängt es an zu bröckeln, kleine Verächtlichkeiten schleichen sich in den Alltag, Respektlosigkeiten. Ach, ich weiß es auch nicht genau, möglich dass ich zu empfindlich bin, alle meine Beziehungsantennen auf Überempfang gestellt habe.
Unterschwellig die leise Frage: warum kann er dich nicht lieben wie du es brauchst? und die Zweifel: es liegt an dir, du bist eben nicht dieses oder jenes...... Schrecklich dieses Gefühl des Hin- und Hergerissenseins zwischen trotiger Autonomie und dem Wunsch so angenommen zu werden wie man ist.......

Ich fühle, ich schaffe es diesmal nicht mehr. Wir haben sooft über Vertrauen gesprochen, ich habe versucht, ihm klarzumachen, dass ich in diesem Punkt vergangenheitsbedingt sehr beschädigt bin. Fast war ich überzeugt er hätte es verstanden.

Aber vorgestern war er dann wieder bei seiner Exfrau. Gemeinsam den Garten hübsch machen. Durch ein lapidare Bemerkung ist herausgekommen, durch andere, denn er hätte es mir nie gesagt.

Eins ist mir ein Trost: ich konnte einfach nach Hause fahren, in meine eigene Wohnung.

10 Kommentare:

JULiANE hat gesagt…

Och Mensch, Du Arme! Lass' Dich mal drücken...
Liebeskummertipp Nr. 6: bei youtube von den Ärzten "Männer sind Schweine" so laut wie's geht spielen und den Refrain mitgrölen! Ich hoffe, Du kannst wenigstens gut schlafen...

anna hat gesagt…

ach pepper,
auch wenns momentan für uns beide nicht so läuft, wie wir es uns wünschen würden, hab ich doch das gefühl, dass wir zumindest die richtigen entscheidungen treffen.
halt die ohren steif! anna

Pepper hat gesagt…

@Juliane:

dank dir für deinen Tip und deinen Trost! An guten Schlaf war leider nicht wirklich zu denken.

@Anna:

Und warum tun die richtigen Entscheidungen so beschissen weh?

anna hat gesagt…

weil wir wissen, dass die falschen genauso schmerzen würden, nur der preis dafür noch viel höher wäre

Rotzlöffel hat gesagt…

enn Respektlosigkeit und Lügen und Mistrauen den Alltag beherreschen, tut eine Liebe - egal wie geartet - nicht gut und man sollte gehen. Du hast das richtig gemacht. Und du musst auf DICH achten und darauf, das es DIR gut geht!!! So furchtbar das erst einmal ist, so zieht der doofe Spruch "Die Zeit heilt die Wunden" doch. Abstand ist gut. Du musst ihn aber auch wirklich wollen!!! ... und nicht nur deshalb, weil du ihn zum Nachdenken und zum Umlenken seines Verhaltens bekommen willst.

Pepper hat gesagt…

Ihr habt Recht, es stimmt alles, was ihr sagt.

Ich will endlich damit beginnen, mehr auf mich zu achten, respektvoll mir mir umzugehen. Diese "Aufgabe" kann niemand einem anderen übertragen.

Dennoch habe ich einen fetten, bitteren Kloß im Hals. Bislang hat es nämlich nicht eine einzige Reaktion auf mein Verschwinden gegeben.

Rotzlöffel hat gesagt…

Gottogott ... ignorier bitte heute meine Rechtschreibfehler.... Weia.

Im Grunde kannst du froh sein, dass nichts kommt. Erstens könnte es sein, dass er schmollt, andererseits, dass er deine Entscheidung akzeptiert.
Und letzteres war ja hoffentlich gut bedacht, auch wenn sowas immer weh tut.
Du bist kommentarlos gegangen, er lässt dich kommentarlos ziehen. Was willste mehr???

anna hat gesagt…

@ rotzlöffel
wir wollen eines ganz sicher nicht: kommentarlos ziehen gelassen werden.
wir wollen drama.
die ganz große nummer.
wir wollen auf knien angefleht werden.
wir wollen uns geliebt fühlen.
ist denn das zuviel verlangt?

Rotzlöffel hat gesagt…

Öhm - da schließe ich mich mal aus.
So nen Krampf könnte ich nicht ertragen ohne wütend zu werden, denn ich meine, wenn man ne Entscheidung getroffen hat, dann sollte man sich vorher auch die Konsequenzen wohl überlegt haben und anbiedern mag ich z.B. so gar nicht :o(

Pepper hat gesagt…

Sowohl als auch, das trifft es am ehesten für mich.
Das ganz große Drama erwarte ich wohl nicht, doch so ganz stickum abzutreten ist auch nicht nach meinem Geschmack. Immerhin sind wir gestern Mittag friedlich auseinandergegangen und er konnte nicht wissen, was sich in der Zwischenzeit ereignet hat.
Ist es da wirklich zuviel verlangt, wenn er sich erkundigt, warum ich einfach abtauche??

Mag sein, dass ich mich mit den inneren Beweggründen der Männer im allgemeinen und diesem im speziellen nicht so gut auskenne, doch ich finde diese Reaktion emotional verkrüppelt!