Freitag, 18. Juni 2010

Piloten und ihre Projekte


Das Sinnlos Seminar hat sich doch als sehr fruchtbar erwiesen (wurde auch von einer tollen Frau geleitet!). Nicht nur die fachlichen Inhalte waren gut, nein, der Seminarort und das Hotel waren ebenfalls hervorragend. Plus, ich hatte nicht eine einzige freie Minute um über mein letztes Wochenende nachzudenken!

In der ersten Nacht habe ich mir den Ischias oder was immer da linksarschbackig langläuft verkühlt. Uihuihuih, was für Schmerzen morgens um halb fünf! Keine der ausprobierten 20 Tausend Stellungen brachte Linderung und dann - obendrein - nix dabei. Kein Tablettchen, Wässerchen, Pflästerchen oder ähnliches.

Aber in der Not wird die Frau ja sehr erfinderisch und könnte fast ob ihrer geistigen Leistung im Erkennen physikalischer Zusammenhänge den Nobelpreis ergattern.
Ich habe mich also so gut es ging aus dem Bett geschwungen, meine Sportkluft übergeworfen und bin mutig in die eisige Morgenluft getreten.  Am Anfang war`s die Hölle, doch nach kurzer Zeit erwärmten die forschen Schritte meinen Pomuskel und ich fühlte mich wieder vollends geschmeidig :)))))

Und obendrein bekam ich noch richtig was geboten! Rein zufällig hatte ich genau den besten Weg eingeschlagen und fand mich nach wenigen Schritten in einer Morgensonnen durchfluteten Landschaft wieder. Links von mir die ansteigenden grünen Hügel, rechts unter mir eine traumhafte Bachlandschaft mit allem Pipapo, Wassergemurmel, Vogelgezwitscher, das ganze Romantikprogramm eben.
Ich hätte stundenlang weiterlaufen können, wenn ich denn gekonnt hätte, zeit- und konditionsmäßig!

Zum Shoppen war diesmal sehr wenig Zeit, ach, und das war echt schade, denn es gab jede Menge hübsche Läden mit Schuhen, Klamotten, Wohnungsschnickschnack, alles, was das gemeine Frauenherz so begehrt. so konnte ich mich lediglich mit ein paar Stoffherzen eindecken (ganz praktisch eigentlich, denn die sind unverwüstlich) für meine Wohnung und das ein oder andere Lagenlookteil, was mich modisch etwas nach vorn bringt.

Am 2. Seminartag war ich so entspannt und guter Dinge, ich war knapp davor, die gnaze Welt zu umarmen, soo gut ging es mir, Aber der erfahrenen Leser und Mensch weiss ja genau, so bleibt es nicht. Das Leben ist eben kein ruhiger langer Fluß, eher ein seltsames Schippern auf irgendeinem Seitenkanal.


Genau! Und so kommt man nach 3 wunderschönen Tagen und einer schier endlos dauernden Fahrt nach Hause, wuppt den Koffer und die Tüten hoch, lüftet die Wohnung, rettet schnell die beinah verdurstenden Balkonblumen, schenkt sich ein Wasser ein, setzt sich auf den nächsten Stuhl und öffnet die Post: Rechnung, Rechnung, Gewinnspiel, Werbung,....
Herz-in-die-Hose-rutschender Umschlag.
Meine Hände zittern ein wenig und die Knie werden weich (hm, ich stelle grad fest: es scheint zu Beginn und am Ende einer Beziehung dieselben körperlichen Reaktionen auf den Menschen zu geben, wenn auch aus einem anderen Grund) als ich die ersten Zeile überfliege.

Ich lese, erfasse, was ich geahnt und befürchtet habe: Beschimpfungen, Schuldzuweisungen, aus dem Zusammenhang gerissene Behauptungen, Unterstellungen, Drohungen, Selbstmitleid, Arroganz, Dummheit. Geld, Geld, Geld.

Es sind alles völlig beknackte, wirr zusammengetragene Anklagen. Ich weiß das, und doch, sie treffen mich ins Herz und ziehen mir den Boden unter den Füßen. Am schlimmsten der Satz: " Die in den letzten Monaten mühsam aufgebaute, gute Beziehung zu meinem Sohn, lasse ich mir von dir nicht kaputt machen."
Hand auf`s Herz: seit 5 Jahren tue ich alles in meiner Macht stehende , um die Beziehung zu seinem Sohn in Gang zu bringen, selbst wenn der mich hasst wie die Pest. Aber ich war immer der Meinung, dass es für beide wichtig ist, einen guten Kontakt zu haben. Die Verbindung zwischen den beiden ist seit Jahren hochgradig gestört, nicht erst seitdem ich aufgetaucht bin. Aber ich war wohl immer ein prima Sündenbock für all ihre Probleme.
Mir jetzt genau das Gegenteil von dem zu unterstellen, was ich ihnen immer von Herzen gewünscht habe, finde ich das allerletzte.

Ich lasse mir ein Bad ein und denke nach, so gut es eben geht, und komme zu dem Schluss, dass ich die nächsten möglichen Kontaktaufnahmen am besten ignoriere. Sms ohne zu lesen löschen, Briefe ungelesen zurück schicken, Telefonanrufe nicht entgegen nehmen. Dann kehrt vielleicht Ruhe ein, in meinem Kopf und in meinem Herz.

  

4 Kommentare:

anna hat gesagt…

ach pepperle,
kommt mir das alles bekannt vor!
aber der trost: es wird besser. und zwar in dem maß, in dem man sich nicht mehr in alte mechanismen hineinzwingen und sich keine schuldgefühle mehr machen lässt. hab mir für dieses wochenende eine große flasche martini asti ganz für mich allein gekauft. die würd ich jetzt echt gern mit dir teilen. dann eben nur ein virtuelles prost und kopf hoch, ja??? alles liebe anna

JULiANE hat gesagt…

Würde es Dir ein bißchen helfen, wenn ich scheibe, dass der Typ 'n ganz minischwänziges A*schloch ist und Dich supersexy und eloquente Grande Dame gar nicht verdient hat?

Pepper hat gesagt…

Anna, für das "pepperle" könnt ich dich zu Boden knutschen, das ist richtig lieb!
Überleg dir gut, was du schreibst, das pepperle ist eine Frau von manchmal sehr spontanen Entschlüssen, nimmt den nächsten Flieger und will die Hälfte der Prickelbrause:))

Juliane:

JA, JA, JA!!!!!!!!

es hilft schon, ganz schön viel:) sogar

Miss Vanilla hat gesagt…

wirrer Kram von der Seele weggeschrienben, du solltest das nicht in die Wertung nehmen, da wird unverdaute Wut zu Papier gebracht. Das macht es nicht besser, aber ein getroffener Mensch tritt halt manchmal ungerecht zu.

Ich würde antworten und meine Sichtweise darlegen.

Alles Liebe für dich.