Mittwoch, 28. Juli 2010

Wie es geht / Teil 1


Hab ich es schon mal erwähnt, wie ich diese Insel finde?

Ich finde sie toll und gleichzeitig schrecklich. Toll, weil sie einfach ein ganz besonderes Flair hat, weil der Himmel ein bisschen blauer und der Strand ein bisschen weißer und feiner ist als auf anderen Nordseeinseln.

Jahrelang habe ich mich gesträubt auch nur meinen großen Zeh auf dieses Schickimicki-Eiland zu setzen, um ihr dann, bei meinem ersten, widerwilligen Besuch vor 5 Jahren hoffnungslos zu verfallen. Mit Ausnahme der Schickimickis und der, die es unbedingt vorgeben wollen zu sein, gibt es keinen anderen Ort, an dem ich mich besser erholen kann.

Das kann natürlich daran liegen, dass ich nicht allzu viele Orte der Welt kennen gelernt habe, aber was solls, is mir schnuppe ;-)



Der kühle Wind, der anscheinend ein Abo für Sylt hat, tat mir in diesem Jahr besonders gut. Nach all diesen Brutofentagen war es einfach fantastisch, den eigenen Körper schweißfrei und in moderater Temperatur zu erleben. Es gab sogar so etwas wie seltsame Anwandlungen sich sportlich total zu verausgaben. Wie gesagt, es waren nur Anwandlungen, nicht das es hier zu Missverständnissen kommt. Über meine sportlichen Ambitionen lasse ich mich später aus.


Ach ja, und bevor ich vergesse es zu erwähnen: ich war ja mit ihm da. War quasi ein verspätet eingelöster Weihnachtsgeschenk-Gutschein oder so ähnlich. Ich kann nicht leugnen, dass ich viele Bedenken hatte, diese Reise überhaupt anzutreten und mit ihm auf Gedeih und Verderb die 5 Tage zu verbringen. Diese Bedenken habe ich aber einfach beiseite geschoben, weil die letzten Begegnungen harmonisch verlaufen sind und ich dachte, wir könnten die vielen Dauer- und Tagesbaustellen einfach mal ruhen lassen für eine Weile und uns ein paar schöne Tage machen.



Konnten wir aber nicht! Zwischen An- und Abreise ging es bei uns zu, dagegen waren Elisabeth Taylor und Richard Burton Waisenknaben. Ok, ich überspitze es natürlich etwas, doch es war wirklich nicht von Pappe. Und immer rauf und runter, Streit - Versöhnung - Streit - Waffenruhe - Streit - Versöhnung.

Kraftraubend, sehr sogar, dennoch, jetzt wo ich es grad aufschreibe, fällt mir auf, es ist auch vitalisierend, trotz vieler negativer Gefühle, die dann hin und her wogen, fühle ich mich sehr lebendig.
Hm, wieder so ein komisch verdrehtes „Zuhause-Gefühl“ ?? Und wenn ja, kann ich das denn überhaupt jemals besiegen oder besser ausgedrückt, austauschen gegen ein neues, „gesünderes“ Hier-bin-ich-daheim-Gefühl?

Wohl eher nicht, zumindest ein Teil (der limbische kann sehr hartnäckig sein!) von mir wird Situationen suchen oder selbst inzenieren, die ihm dieses gruselig-schöne Gefühl von damals wiederbringen.

Für den Fall, dass hier ein psychologisch Versierter mitliest: deine Meinung ist willkommen! Bin ich auf dem Holzweg mit meinen Annahmen oder ist ein Stäubchen Wahrheit darin?

Es bleibt schwer befürchte ich. Aber geb ich auf oder verlier die Hoffnung auf ein HAPPY END ?


Never ever.

3 Kommentare:

Lieselotte Mueller hat gesagt…

Sagen wir mal so, meine liebe Pepper: Du stehst vor zwei grossen Töpfen. Bei einem ist ein Deckel drauf, man sieht nicht, was in ihm steckt und es ist auch nicht an Geruch oder Sonstigem fest zu machen.

Der andere Topf ist ohne Deckel und du hast freie Sicht auf eine wabernde Masse, braun, blubbernd. Ein Topf voll kochender Scheisse. Es stinkt zum Himmel, aber du kennst den Brei. Er ist dir vertraut, du weisst, was du kriegst.

Welchen Topf willst du nehmen?

Irgendwann ist es nur noch eine Entscheidungsfrage. Du kannst dich mittlererweile nämlich entscheiden, du hast die Wahl.

Ich hoffe, Denkanregung gegeben zu haben, einen schönen Abend
Lieschen

Lieselotte Mueller hat gesagt…

Lieschen, die übrigens mit dem Topf voll Scheisse schon Brüderschaft getrunken hat ;)

Pepper hat gesagt…

Du liebes Lieschen, ist das echt so? Ich hab nur die Wahl zwischen dem Topf voller Schaize und dem Unbekannten?

Das ist schlimmer als ich befürchtet habe. Was ist - und darin liegt meine größte Angst - wenn ich den Deckel des Unbekannten lüpfe und der Inhalt ist grauenerregender als die bekannte Stinkebrühe??
Puhhhh, das sind ja schöne Aussichten!