Dienstag, 14. September 2010

Leben und Lieben







Was lernen wir? Das Leben und die Liebe (vor allem die gescheiterte!) können so furchtbar einfach sein. Wer hätte das gedacht?

Tja, ich bestimmt nicht. Ich glaube nicht an diese romantisierenden Phrasen, an dieses Liebe-dein-Leben-und-alles-wird-gut-Geschwafel. So easy ist das alles nicht. Ich kann mir Mühe geben, mich richtig ins Zeug legen, mir die Seele aus dem Leib lieben, und dann läuft doch nicht alles nach Wunsch, Friede, Freude, Firlefanz. Dann passiert es doch, völlig unerwartet und ungerecht, dass mir (oder dir) vom Leben ein fetter, knorriger Knüppel zwischen die Beine geworfen wird.
Jetzt bin ich nicht unbedingt ein sehr politischer Mensch, doch ich habe hin und wieder den Verdacht, dass sich jemand diese schmusigen Parolen ausdenkt, um die Massen still und bei Laune zu halten.
Und natürlich, um nicht zur Verantwortung gezogen werden zu können. Denn schließlich, wenn etwas schief geht in meinem Leben, dann hab ich wohl nicht richtig, nicht genügend, nicht ausdauernd genug geliebt. Alles meine eigene doofe Schuld!

Der beste Ratschlag ist " If you don`t have enough time, stop watching TV"  ;-))

Und dann die Liebe. Gebrochenes Herz plus Zeit ergibt Herz --> nagelnew
Schön wärs (hm, oder auch nicht, denn dann hätte man ja überhaupt garnix gelernt). Nene, mon coeur ist doch keine mathematische Gleichung. Ich denke eher, das es so ist, wie ich es neulich bei Herbstkind gelesen habe:

Die Zeit heilt nicht alles;

aber sie rückt vielleicht das Unheilbare

aus dem Mittelpunkt.  
 
Ja, dem kann ich mich anschließen. Das halte ich für durchaus realistisch!
Es ist nämlich so: als ich im letzten Jahr hörte, dass sich mein Exmann ein neues Weib zur Ehefrau genommen hatte, bescherte mir das ein komische Zwicken in meinem vernarbten Herz.
Bis dahin hatte ich mich in Sicherheit gewiegt (gewogen/gewägt *grübel* ?), dachte, ich wär längst über alle Berge mit meinen Gefühlen für ihn und unser vergangenes Leben. Denkste, es machte mir was aus, a tiny little bit zumindest. Genau wie unser Scheitern (welch phänomenaler Fortschritt, dass ich WIR sagen kann) zwar gut verbuddelt ist unter tausend Schichten, es wird aber nie ganz weg sein, mich unberührt lassen.

5 Kommentare:

Frau Fabelhaft hat gesagt…

Die Zeit heilt nicht alles;
aber sie rückt vielleicht das Unheilbare
aus dem Mittelpunkt.

Dem kann ich nur zustimmen. :)

mayarosa hat gesagt…

Love it or leave it - fällt mir dazu ein.
Ich bewundere die Menschen, die still, vergnügt und gelassen vor sich hinleben, die ihren Neigungen folgen, bei sich sind und deswegen (gefahrlos) für andere da sein können. Freilig haben die auch Pech, Stress, Unglück, miese Tage, Liebeskummer und alles was zu einem Leben dazugehört. Aber ich denke, sie finden schneller zu sich zurück, weil sie ja ohnehin bei sich sind, ihre Grenzen kennen und nicht wie viele Menschen, andauernd über ihre eigenen Kompromisslinien und Kräfte gehen.
http://mayarosasweblog.wordpress.com/2010/09/13/leidenschaft-und-lebensziele/

Lilly hat gesagt…

Wow...das Zitat macht Mut, tröstet.

Nein, ich glaube auch nicht an dieses alles übertünchende "Alles-ist-schön"-Geschwafel.
Würde man ständig so denken, wäre das die eigenen Gefühle verleugnen.
Was scheisse ist darf scheiss sein!
Damit komme ich besser klar.

frau doktor hat gesagt…

Es IST ja auch nicht alles schön. Ich glaube auch nicht an dieses Glücksbärchen-ich-hab-euch-alle-lieb-Ding. Was aber, zumindest habe ich in meinem Leben die Erfahrung gemacht, sehr wohl mehr Gelassenheit ins Leben bringt, ist sich auch mit Scheißsituationen einverstanden zu erklären. Man kann sie oft ohnehin nicht ändern. Das geht natürlich auch nicht auf Knopfdruck und der verletzte Stolz hat auch oft ein Wörtchen mitzureden. Seltsamerweise ist es oft so, dass wenn ich "meinen Frieden" mit etwas geschlossen habe, was ich vorher versucht habe, zu erzwingen, es mir in den Schoß fällt. Meistens will ich es dann gar nicht mehr. Bei mir zumindest funktioniert das mit der Gelassenheit am besten. Und wenn ich die Gelassenheit verloren habe, dann muss ich da eben genauso durch, wie durch die Momente, die ich am liebsten festhalten würde. Das ist ja das spannende. It works both ways.

Pepper hat gesagt…

@mayarosa : Mein Lebensmotto ist sogar: Love it - change it or leave it! Fakt ist allerdings auch, dass ich mich viel zu lange beim changen aufhalte und im Grunde Schiss habe vorm leaven.
Ich kann viel aushalten und will auch nicht diejenige sein, die beim ersten Sturm das Weite sucht! Es gibt Menschen, die das instinktiv spüren und bis zum Letzten "auskosten".
Gut, aber nun lebe ich allein, werde stärker von Tag zu Tag und lerne mich von Grund auf kennen. Der nächste Schritt -so denke ich es mit zumindest- geht dann in Richtung Grenzen ausloten und benennen/durchsetzen. Wenn das Gegenüber dann nicht so amused ist, dann werde ich das aushalten müssen wie andere eben auch.
Bis dahin ist es für mich erstmal besser, keine neue Beziehung einzugehen.

@Lilly, ja, nicht wahr? Ich fand das auch viel viel besser als so nen blöden Schmus.
Den Kindern sagt man ja heute auch vor unangenehmen Situationen, dass es nicht so toll wird, man es aber schaffen kann. Die kommen damit auch besser zurecht als würde man ihnen vormachen, dass alles nicht so schlimm ist - und dann ist es das plötzlich doch!

@ Frau Doktor: die gute alte Gelassenheit :)))) Stellen Sie mir bitte ein lebenslang gültiges Rezept dafür aus?
Ich übe auch hier -täglich. Allein, mir ist mein Temperament etwas im Weg und - meine Ungeduld. Das sind schwere Gegenspieler der Gelassenheit!!