Ich stehe im Stau, was ja kein Wunder ist morgens zwischen 7 und 9. Ich hasse es, nicht voran zu kommen, weiß aber inzwischen, dass mich dieses zerstörerische Gefühl auch nicht weiterbringt.
Also versuche ich es mal mit leichter Meditation, jetzt nicht so ein indisch angehauchter Firlefanz, nein, einfach mal den Puls runterfahren, langsam ein- und ausatmen und die Gedanken schweifen lassen.....................
Die Gedanken schweifen dann ne Weile so herum und kommen irgendwann an den Punkt, an dem sie meine Augen direkt in den Rückspiegel lenken, vielleicht um kurz zu überprüfen, ob meine Mundwinkel hängen oder mit Nutellaresten verschmiert sind. Was weiß denn ich, ich denk ja nicht richtig, ich lasse schweifen ;-)
Jedenfalls ist plötzlich dieses sanft-beruhigende Taumeln vorbei, mit einem Schlag. Und das liegt nicht etwas daran, dass sich die Blechkolonne vor mir wieder in Bewegung setzt.
Es liegt an dem, was ich hinter mir erblicke. Ein vertrauter Anblick aber nichtsdestotrotz ein mir Ekel einflößender. Und ich denke:
"Was, wenn du morgen dem Mann deines Lebens begegnest und er wäre (was du ja in diesem Moment nicht wüsstest) auch so einer? Und du verliebst dich ganz dolle, planst eine gemeinsame Zukunft, schwebst auf rosaroten Wolken...... und ahnst nicht im Entfernsten, dass er auch zu denen gehört, die du von Grund auf verabscheust ?"
Diese Gesellen, die tiefversunken in ihren Autositzen hockend mit dem rechten (wahlweise auch linken) Zeigefinger in eines ihrer Nasenlöcher einfahren, eine Weile dort stochernd verharren, wieder ausfahren, kurz die Beute begutachten, um sie dann schnell in ihre Futterluke zu verfrachten.
Alles was recht ist, damit ist meine Kurzmedidation abrupt vorbei und ich fühle förmlich wie sich ein neuer Herpesstamm zügig entlang meines Rückenmarks den Weg zu meinen Lippen bahnt.
Entweder ich höre mit dem Meditieren auf oder ich klebe in Zukunft meinen Rückspiegel zu, damit ich sie nicht sehen muss diese widerlichen Nasenpopler!

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