Montag, 2. Juli 2012

Die L. Sache

Er war schon da. Natürlich. Genau das hatte sie erwartet. Womit sie nicht gerechnet hatte, war, dass es fast augenblicklich wieder anfing, mit diesem kleinen Tuckern in ihrer Herzgegend, als sie ihn da so stehen sah, ein wenig linkisch, den Kopf leicht schräg zur Seite gelegt, ein Strahlen im Gesicht, die grünen Augen erfüllt von Liebe, Leidenschaft, Begehren. Schnell wandte sie den Blick ab, sie wollte sich nicht von ihrem Vorhaben, mit ihm Schluss zu machen, abbringen lassen. Der Kopf funkte dauernd seine Aufpassen! Vorsicht! Signale, die wollte sie dieses Mal auf keinen Fall ignorieren. Sie parkte ihren Wagen und ging mit etwas unsicheren Schritten auf ihn zu, streckte ihm die Hand entgegen, um der sonst nicht vermeidbar gewesenen festen Umarmung und einem Kuss aus dem Weg zu gehen.

Hallo, sagte er verhalten, und dann, es ist so schön, dich wiederzusehen, endlich, ich habe dich so furchtbar vermisst. Sie erwiderte nichts, hatte ein Rauschen in den Ohren und die innere Stimme, die sarkastisch fragte, ach ja? tatsächlich? Aber ihr Herz machte trotzdem einen kleinen Sprung nach vorn.

Sie gingen ins Lokal, bestellten und überbrückten die ersten Minuten mit Alltagsgeplauder übers Wetter, das Essen, den Wein. Dann war dazu alles gesagt und der Grund ihrer Verabredung ließ sich nicht mehr umrunden. Er machte den Anfang und bat sie, ihm nochmal die Emails der letzten Nacht zu erklären. Er habe sie immer wieder gelesen, aber er verstehe einfach nicht, warum sie ihn verlassen habe, warum sie sich nie mehr bei ihm gemeldet habe nach dem Skiurlaub.

Weil, fing sie zögernd an, es keine Hoffnung gibt. Weil du mich nicht siehst, weil ich nicht ich selbst bin bei dir,  weil, weil, weil. Es folgten noch viele Weils, und er hörte aufmerksam zu, nickte oder fragte nach, dementierte oder stimmte zu. Dann, zum Schluss, sagte er einfach, er habe sie verstanden, zum ersten Mal richtig verstanden und er könne jetzt verstehen und nachfühlen, wie es ihr gegangen sein muss. Und dass es ihm ehrlich leid tue, auch wenn es nie seine Absicht gewesen war, sie zu verletzen. Sie weinte ein wenig, sagte aber, dass sie immer noch voller Misstrauen sei und Angst habe. Es sind nicht nur Worte, meinte er, du wirst sehen, ich  werde es von nun an besser machen. Gib mir bitte diese Möglichkeit und entscheide selbst nach einer Weile, ob du mir wieder vertrauen kannst, fügte er hinzu.

Ihr Kopf war ziemlich still. Keine Warnsignale für diesen Moment. Dann dachte sie, was habe ich zu verlieren? Ich kann ihm die Möglichkeit einräumen und sehen, was passiert. Wenn´s gut läuft, dann kann ich ihm Stück für Stück das Vertrauen geben und den "Schaden" begrenzen.

Aber so ist sie nicht, sie kann nicht mit angezogener Handbremse lieben. Deshalb muss sie sich entscheiden, ob sie nochmal alles geben will an Liebe und Vertrauen. Oder ob es besser ist, nicht wieder neu anzufangen, wenn man spürt, dass die Liebe nicht ausreicht und das Vertrauen nur dünn ist.  Sie sagt ihm das und sieht die Enttäuschung in seinem Gesicht. Dann gibt er sich einen kleinen Ruck und sagt, ja, gut, lass dir soviel Zeit wie du brauchst. Ich hoffe, ich habe die richtigen Worte gefunden dir zu sagen, wie sehr ich dich liebe, dass ich vieles von dem, was ich gesagt und getan habe, heute nicht mehr verstehe und du es bestimmt nicht bereuen wirst, wenn du zu mir zurück kommst. Dann lächelt er wieder so lieb, nimmt ihre Hand ganz fest in seine und schaut sie lange an. Sie sagt leise, sie muss über alles nochmal genau nachdenken und spürt schon beim Reden, dass das großer Quatsch ist.

Er hatte sie schon, BEVOR er überhaupt nur ein einziges Wort gesagt hat.

Aber das muss er nicht wissen. Jedenfalls nicht sofort. Deshalb fahren sie nach dem Essen und einem kleinen Spaziergang getrennt nach Hause.   

Am nächsten Abend als sie müde von der Arbeit heim kommt, findet sie einen Strauß Baccararosen vor ihrer Haustür. 12 Stück an der Zahl,  für jedes Jahr ihres Zusammenseins eine. Und eine kleine Karte mit den Worten "Jedes Jahr kommt eine Rose hinzu. Das wünsche ich mir. Du dir auch? In Liebe, Dein L."

Liebe ist, alles auf eine Karte zu setzen. Und das haben wir gemacht vor 8 Wochen.
Es hat sich spürbar etwas verändert zwischen uns. Zum Guten.
Es ist offener, näher und liebevoller geworden. Ich kann nicht in die Zukunft schauen, aber für den Moment geht es mir sehr gut.






4 Kommentare:

anna hat gesagt…

hach... <3

Anonym hat gesagt…

ja genau: hach.....

Ein lieber Gruß,
Suse

mkh hat gesagt…

Das ist schön. - Es möge euch weiter so gut gehen!

mkh hat gesagt…

"Liebe ist, alles auf eine Karte zu setzen. ..." - Mich hat diese Geschichte berührt, und ja, genau so: alles auf eine Karte!