Als ich vorgestern seit langer Zeit mal wieder "unser Haus" betrat, war ich erstaunt, wie wenig es mich berührte, nicht mehr dort zu wohnen. Es fühlt sich nur noch an wie ein Ort, der mir vertraut ist und an dem ich mal gelebt habe. Hat das was zu bedeuten? Ich weiß es wirklich nicht.
Seit letzter Woche Freitag als ich diese wahnsinnig lange, inquisitorisch anmutende Unterredung mit meiner Freudin hatte, kommt mir mein Leben sowieso etwas blutleer vor. Das bin ich nicht gewöhnt. Es ist wie ein Schatten auf meiner Welt, aber niemand kommt - wie in der Ariel-Werbung- und reißt den Grauschleier weg, so dass das Grelle, Bunte wieder leuchten kann.
Dabei weiß ich inzwischen, dass genau das (das Übertriebene) nicht so gut für mich ist. Aber es fühlt sich sehr fremd an. Mag ich auch noch so gelitten haben unter der nicht zu stoppenden Achterbahnfahrt, so hat sie doch einen Großteil meines Lebens ausgemacht und sie ist mir so vertraut, ich weiß eben genau, was mich erwartet und wie ich damit umgehen kann.
Ich bin aber fest entschlossen, diesen neuen (lahmen) Weg einzuschlagen um zu sehen, was übrig bleibt von meinem Leben, meiner Liebe ohne die Dramatik. Manchmal stelle ich mir vor, es sei möglich, auch nur für einen Tag, in den Körper eines anderen Menschen zu schlüpfen, um die Welt mit seinen Augen zu sehen und zu erleben. Ob man dann wohl eine andere Einstellung gegenüber seiner eigenen stets subjektive Wahrnehmung bekommt? Ob ich dann mein "undramatisches" Leben wohl als völlig normal bezeichnen würde? Ich werds nicht herausfinden, denn ich bin wie jeder andere Mensch auch dazu verdammt, in meiner Hülle zu bleiben ;-)
Mit L. hat es sich auch ganz leicht verändert, seitdem ich eine lahme Ente bin. Jedenfalls soweit man das nach knapp einer Woche sagen kann. Ich versuche tapfer, die Dramaturgin vor der Haustür zu lassen und überwinde meine Angst, ihm zu sagen, was ich mir wirklich wünsche. Das sind anfangs erstmal ganz kleine, unbedeutende Dinge wie: " Bitte erzähl mir, was sich heute bei dir ereignet hat und wie du dazu stehst, aber schwall mich nicht mit diesen Nichtigkeiten voll". Das macht er gerne, das kennt er so aus seiner Familie. Die können endlos über die größten Banalitäten quasseln, völlig ohne Punkt und Komma, aber am liebsten alle durcheinander. Das macht mich wahnsinnig, nein, es bereitet mir förmlich körperliche Schmerzen, doch ich habe nie den Mut gefasst, es anzusprechen, dachte, ich muss das ertragen, da irgendwie durch.
Er war gar nicht sauer, sondern ging einfach mal auf meinen Wunsch ein. Hätte er es nicht getan, wäre es wohl sonst ein Anlass für mich gewesen, einen kleinen Streit loszutreten -> Drama eben! Jetzt würde ich anders an diese Sache herangehen. Ich würde ruhig aber unmissverständlich zum Ausdruck bringen, dass ich das Gespräch beende, wenn er den Anteil an Zuschwallen nicht erheblich reduziert.
Zugegeben, das sind nun keine bahnbrechenden Errungenschaften, doch ich bin bescheiden geworden, was die Möglichkeiten einer Veränderung nach dem 25. Lebensjahr angeht und gebe mich auch mit kleinen Schritten zufrieden.

6 Kommentare:
Du bist 25 und hast Dein Leben abgehakt?
Warum das?
Es gibt ein Leben selbst nach dem 60. Lebensjahr (und mehr!), das aktiv und frisch sein kann.
Mit Veränderungen und Abenteuer.
Oder habe ich Dich falsch verstanden?
Ja, das hast du wohl *schiefgrins*
Ich bin inzwischen mehr als doppelt so alt und weiß, wie schwer es ist, sich grundlegend zu ändern. Ich versuchs dennoch - immer wieder- bis zum hoffentlich nicht allzu bitteren Ende ;-)
Die "Lebensstufen" von Hesse haben mir oft Mut gemacht. Besonders die Zeile mit der Todesstunde.
Gruß Google
...Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Hermann Hesse :))) Wie konnte ich den nur vergessen! Liebster Begleiter meiner Deutsch LK Stunden!
Dank dir recht schön für die Erinnerung und das überaus treffende Zitat!
Da hab ich dann mal nachgedacht, wo ich war, als ich 25 war... in einer WG in Köln, studierend und das Leben spannend findend...
Ok, spannend wird es grad wieder, nach aller Schwere, darum sende ich mal spannende Grüße aus dem Wendland, wo ich grad Klinikurlaub mache.
Es ist besser viele kleine Schritte zu machen als bei einem großen zu stolpern...
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