Der Papa von L. ringt mit seinem Leben. Vor 14 Tagen haben die Ärzte Darmkrebs festgestellt, am Montag dieser Woche wurde er operiert. Es sieht im Augenblick nicht so gut aus, denn der Tumor war sehr groß und offenbar hat er sich eine Sepsis eingehandelt. Heute früh wurde er notoperiert und niemand weiß, ob er es übersteht.
Ich habe diesen kleinen, zähen, immer etwas grantigen Kerl sehr gern und ich meine, er mich auch. Geredet haben wir nie viel miteinander, uns aber oft ohne Worte nur mit dem Austausch von Blicken oder einem Händedruck, einer Umarmung verstanden. Damals, vor 6 Jahren, als ich L. wieder begegnete, hat er sich so gefreut über unsere "Wiedervereinigung" , dass er sich ein paar Tränen aus den Augen wischen musste. Danach schaute er mir fest in die Augen und sagte: "Jetzt bist du wieder da, jetzt wird alles gut."
Er war auch der einzige, der meinen Zusammenbruch in 2009 "offiziell" zur Kenntnis genommen und mir beigestanden hat. Er wusste genau, wie hartherzig seine Frauen ( Ehefrau und Tochter) manchmal sein können!
Es hat mich empört, dass er "gegen seinen Willen" ins Krankenhaus verfrachtet wurde. Er wollte nicht dorthin, hat geahnt, dass es ziemlich schlecht um ihn steht. Angst hatte er vermutlich auch, vor den Schmerzen, den Quälereien dieser Krankenhausmaschinerie. Lieber wollte er in seinem Ohrensessel sitzen, die Zeitung lesen, Kreuzworträtsel lösen, einen kleinen Spaziergang machen und schließlich mit seiner Diagnose einfach abwarten, wann der Tod zu ihm kommt. Davor hatte er keine Angst. Er ist jetzt 81, hat alles erlebt und ist dankbar für die vielen, meist schönen Jahre, die er hatte.
Ihm das zu gestatten, dazu gehört schon eine charakterliche Größe, die von seiner Familie nicht zu erwarten war. Neulich sagte jemand im Radio zu diesem Thema:" In einem gewissen Alter darf man auch sterben dürfen", und ich finde, das trifft es genau. Ich halte sehr viel von der Selbstbestimmung eines Menschen und meine, dass es selbstverständlich sein sollte, eigene Entscheidungen über sein Leben zu treffen, solange man noch dazu fähig ist.
Ich hoffe sehr, dass er es schafft, dass er nach Hause kommt und in seiner vertrauten Umgebung ist, wenn er irgendwann den letzten Atemzug macht.

1 Kommentar:
ach pepper, ich drück dich! und hoffe mit dir das ihm sein wunsch erfüllt wird.
Kommentar veröffentlichen