Sonntag, 12. Juni 2011

Auf die Matte


Schon komisch, oder? Wie es ein paar Sätze schaffen, mich auf die Bretter zu schicken und die darauf folgende Nacht schlaflos mit nutzlosen Grübeleien zu verbringen.

Wir Kollegen wollten mal wieder einen Zug durch die Gemeinde machen und so trafen sich die üblichen Verdächtigen am Mittwoch im Biergarten - NACH dem Regenguss! -  um bei ein paar schäumenden Getränken etwas Spaß zu haben. Ich hatte mich schon den ganzen Tag darauf gefreut, besonders auf eine Kollegin, mit der ich schon seit mehr als 10 Jahren befreundet bin und mit der ich immer richtig viel Spaß haben kann.

Zugegeben, in den letzten Monaten waren unsere Kontaktmomente nicht so häufig, aber das schob ich eher auf unsere Lebenssituation, als dass mir der Gedanke gekommen wäre, irgendetwas könne nicht stimmen zwischen uns. Durch mein Leben im "Dörfli" und ihre neue Rolle als Mami und Hausfrau hatten wir in den letzten 3 Jahren nur sehr wenig Zeit, unsere Freundschaft zu pflegen. Das wurde jetzt erst wieder intensiver als ihr Mann in den Erziehungsurlaub ging und sie wieder anfing zu arbeiten.
Erst im Rückblick fällt mir auf, dass die Male, bei denen ich den Kontakt suchte, recht "lauwarm" abliefen und ich nicht das Gefühl loswurde, ein störendes Element in ihrem Familienmikrokosmos zu sein.

Jedenfalls beschlich mich schon vormittags leise das Gefühl, dass sie mir aus dem Weg geht. Das ging aber im Trubel des Arbeitsalltags unter. Später ergab es sich, dass wir zusammen Getränke holen gingen und während wir in der Schlange standen, kam das morgendliche Gefühl wieder hoch und ich fragte sie, ob irgendwas los sei. Als Erwiderung nur ein undeutliches Genuschel, also setzte ich nach und bohrte: " Bist du sauer auf mich?"
"Ja, bin ich", gab sie recht kühl zurück. Ich war dennoch recht entspannt, weil ich nichts wirklich Schlimmes erwartete und hakte nach: " Sauer? Weswegen denn? Was hab ich getan?"
Und dann brach es niagarafallartig über mich herein, die gesammelten Eiterbrocken der letzten 3 Jahre, privat und beruflich bunt durcheinander gewürfelt, ebenso wie die Zeiten, in denen sich mein Fehlverhalten ereignet hatte. Es kam so überraschend, dass mir der Mund vor lauter Erstaunen offen stand und ich so gut wie gar nichts erwidern konnte. Ich hatte Mühe, die Fassung zu bewahren, denn was sie so hervorbrachte, stach gezielt in mein Herz.

"Du gehst gar nicht"
"Dein Chefinnen-Gehabe kotzt mich an"
"Du meldest dich nur, wenn du was von uns willst"
"Ich will keinen Kontakt mehr mit dir"

Der letze Satz ist der Schlimmste, denn der gibt mir keine Chance. Keine Möglichkeit nach 14 Jahren Lebenteilen etwas zu ändern, zu verbessern oder überhaupt herauszufinden, worum es hier eigentlich geht. Das haut mich um, das verstehe ich einfach nicht! Wenn einem etwas tierisch auf die Nerven geht, dann SAGT man das oder wie? Klar, es ist nicht immer leicht, Unangenehmes anzusprechen, doch diese Ehrlichkeit ist unabdingbar für mich, wenn man befreundet ist, sonst kann man es gleich vergessen.
 
Für den Moment liege ich auf der Matte und überlege, ob ich nochmal in den Ring steige, nicht für einen weiteren Kampf, eine Revanche. Doch ich möchte eine Erklärung, was schiefgelaufen ist. Das ist sie mir schuldig.

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Chance sie zu verstehen sollte sie dir geben,sowas ist immer doof!

Tini hat gesagt…

Oh man Pepper, diese Aussagen hätten mich wohl auch auf die Matte gebracht.

Aber ich stimme Schuschan zu, eine richtige Aussprache sollte sie Dir aufjedenfall noch zu gestehen.

Was mich an der Situation so wundert ist, daß sie so lange alles runtergeschluckt hat, was in Ihren Augen als No Go von Deiner Seite aus geschehen war.

Vielleicht wäre dies auch eine gute Frage an Sie: Warum erst jetzt? Warum erst wo alles zu spät ist?

Du schreibst von 14 Jahren gemeinsamen Leben, da sollte doch auch von Ihrer Seite aus ein Interesse an einer Aussprache vorhanden sein.

Vielleicht gibt es auch Situationen, die Ihr da nochmal klären könnt.

Zumindest hättest Du die Chance auch mal Deine Sicht der Dinge zu äußern.

Ich weiß, daß es manchmal soviel einfacher ist auf der Matte zu bleiben aber ich glaube, daß Du Dich besser fühlen wirst, wenn Du noch einmal den Kopf erhebst und noch (im schlimmsten Fall) ein letztes Mal kämpfst.

Aber Du tust mir trotzdem so mitfühlend leid!

LG Tini
Ich stelle mir Eure Situation besonders heikel vor, weil Ihr Euch trotzdem noch ständig sehen werdet, deswegen ist es

Pepper hat gesagt…

@schuschan: das habe ich einfach verdient!

Tini, danke für deine ausführliche Antwort. Es sind genau die Dinge, die du ansprichst, die mir den Dolchstoß ins Herz verpasst haben. Ich will diese Aussprache unbedingt, habe aber zZ das Gefühl, das nicht durchstehen zu können. Mein Herz fühlt sich an wie eine einzige große Wunde und ich will nicht riskieren, dass durch ein Gespräch noch mehr Salzsäure hineinträufelt.
Sie ist (oder mimt) im Moment die Starke/Überlegene und tut so easy, als wäre nie etwas geschehen. Alles rein beruflich, doch mir dreht es das Herz um, diese vermutlich nur gespielte Lässigkeit.
Ich lass noch ein wenig Zeit vergehen bevor ich wieder in den Ring steige ;-)

Pepper hat gesagt…

Öhm, was mir gerade auffällt: wieso sehe ich eure Kommentare erst 2 Tage später? Spinnen die, die Römer ??

riese hat gesagt…

warum in aller welt machen frauen eigentlich immer alles so kompliziert?
männer prügeln sich wenn es gar nicht mehr geht und gehen danach blutverschmiert und zerlumpt einen saufen.
auf jeden fall sollte keiner von beiden eine freundschaft nach 14 jahren wegwerfen. da solltest du auf jeden fall nachbohren, der sache auf den grund gehen. wie du sagst, "noch mal in den ring steigen".