Mittwoch, 6. Juni 2012

Baustelle


Frau Pepper war brav und hat nicht mehr in fremde Postfächer gelunst. Für sie war der Drops gelutscht. Eines schnöden Samstag Abends jedoch hat sie sich arg gelangweilt und sich gefragt, ob, tja ob sie nicht ihr wahres, wirkliches aber deaktiviertes Profil beim Singlezirkus ins Leben rufen sollte. Ja, so furchtbar langweilig war ihr, dass ihr keine bessere Idee in den Sinn kam. Also frisch ans Werk, das Persönlichkeitsprofil ein wenig aufpoliert und ein paar Bildchen ins Album hochgeladen.

Die Peppersche war grad beim 2 Bild angelangt, als ein kleines Fenster auf ihrem Bildschirm aufpoppt und ihr signalisiert, dass sie eine Nachricht erhalten hat. Zugegeben, ihr stockte etwas der Atem, als sie las, wer ihr da ein paar Zeilen zukommen lassen wollte.

L. war`s, tatsächlich und leibhaftig, der unter seinem Pseudonym an sie schreibt, dass es ihr wohl schwerfiele, die Pisten herunterzukommen!
Auweia, und nun? Frau Pepper die alte Spiekerin weiß natürlich, dass es sich um Pseudo L. handelt, muss aber so tun, als ob nicht, denn er kann ja nix wissen von der Stalkerei und soll es auch nienienie erfahren.
Also macht Frau Pepper zuerst auf harmlos und dann, als er sich zu erkennen gibt, auf total überrascht und erstaunt. Und schämt sich ein wenig dafür.

Es kommt zu einem regen Mailverkehr ;-). Solange bis es Frau Pepper zu bunt wird und sie den Widersinn dieser ganzen Aktion zur Sprache bringt. 2 Sekunden später klingelt ihr Handy und nun hat sie ihn an der Strippe. Das allererste Mal seit dem verkorksten Skiurlaub. Das allererste Mal seit 3 Monaten absoluter Funkstille.
Und Frau Pepper nutzt die Gelegenheit, um ihm die ganzen angestauten Gefühle (hm, komisch, ich dachte die waren erledigt?) von Wut, Frust und Ärger um die mittelgroßen Ohren zu hauen. Er hat es über sich ergehen lassen, nicht großartig aufgemuckt oder gar widersprochen. Aber verstanden, so richtig verstanden hat er nicht, warum sie ihn verlassen hat nach dieser harmonischen Winterwoche.

Frau Pepper ist es in diesem Moment schnurzpiepegal was er rafft und was nicht, denn sie fühlt sich sehr entlastet und immer noch schön ausgeglichen und ruhig im Innern, hinterm Brustbein. Kein Klopfen, kein Rasen, schon gar kein Stolpern. Und sie wiegt sich in Sicherheit. Denkt: Prima, no feelings, no heartpain, no nothing. Das ist ja mal was neues. Aber besser, erstmal eine lange Nacht drüber schlafen. Denn nachts, das weiß sie inzwischen, spielen dir deine Gefühle und Gedanken oftmals einen Streich und am nächsten Morgen sieht die Welt sowieso ganz anders aus.

Der Morgen kommt, und Frau Pepper fühlt und spürt und denkt und merkt immer noch nix Beunruhigendes in ihrer Herzgegend. Sie meint ganz deutlich zu fühlen, dass sie eben nichts mehr fühlt - für ihn.
Das einzige was piept, ist ihr Handy, das den Eingang etlicher Nachrichten verkündet. L. hat Witterung aufgenommen und er lässt nicht locker, bis er ihr ein Treffen am Abend beim Italiener aus den Rippen geschmalzt hat. Frau Pepper denkt indes siegesgewiss: Nagut, triffst du dich eben mit ihm, und sagst ihm klipp und klar, dass es kein Zurück mehr gibt, dass die Liebe verendet ist.

Was dann beim Treffen geschah? Das erzählt die Frau Pepper ein anderes Mal.     
    

2 Kommentare:

DieKleine hat gesagt…

wie gemein, ich bin doch neugierig!!! ;-)

Anonym hat gesagt…

... das nennt man wohl einen Spannungsbogen aufbauen. :-) Dein neues blog-design gefällt mir sehr gut. Lieben Gruß morgenrot